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Ein Wildblumenbeet anlegen und pflegen

Schritt für Schritt zum eigenen Wildblumenbeet, Schmetterlingsbeet oder Wildbienenbeet - nach diesem Motto stellt dieses Kapitel wichtige Planungsdetails vor.

Die Entwicklung des Wildblumenbeetes hängt dabei von vielerlei Faktoren ab: dem Zeitpunkt der Pflanzung (am besten Sept.-Okt. oder März-April), der Witterung (nicht zu trocken), Ihrem Geschick im Umgang mit Stauden, der Qualität der gekauften Jungpflanzen… Manche Wildblumen fühlen sich in den ersten Jahren besonders wohl, andere werden mit der Zeit immer schöner.

Ein Beet  können Sie mit jungen Pflanzen im Topf oder mit Wildblumensamen anlegen. Beides gibt es im Naturgarten-Fachhandel zu kaufen. Bezugsquellen finden Sie unter Links. Ein Beet aus Samen ist besonders preiswert, doch nicht alle Blumensamen möchten bei trockenheißer rheinhessischer Witterung keimen. Unkrautsamen im Boden werden von Wildblumensamen überhaupt nicht vertragen - sie geben angesichts der Konkurrenz leicht auf. Bei den Samenmischungen im Handel gibt es große Qualitätsunterschiede.

Eine Pflanzung aus Topfpflanzen erlaubt ein wesentlich höheres Maß an Kontrolle darüber, welche Pflanzenart wo zu stehen kommt und spart Zeit und Arbeit, ist jedoch teurer.

Preiswert, aber arbeitsintensiv ist die Variante, selbst Jungpflanzen aus Samen in Töpfen und Schalen heranzuziehen, um sie dann auszupflanzen.

Wie sind Boden, Feuchtigkeit und Sonnenlicht?

Die richtige Antwort auf diese Frage ist entscheidend dafür, ob das Beet auf Dauer artenreich, schön und pflegeleicht wird. Fast alle hier gezeigten Wildblumen bevorzugen z.B. einen kalkhaltigen und mageren Boden. Sand oder Split helfen beim Abmagern. Dünger, Kompost und gekaufte Erden würden hingegen Unkräuter und Gräser begünstigen. Alle Unkräuter, vor allem Wurzelunkräuter, müssen vor der Bepflanzung mit dem Unkrautstecher restlos entfernt werden. Auf dieser Internetseite folgt die Auswahl bestimmter Wildstauden für bestimmte Gartenstandorte dem Vorbild der rheinhessischen Natur.

Wie viele  Pflanzen pro Quadratmeter?

Als Faustregel lässt sich mit  9 Pflanzen pro Quadratmeter, davon 1 Pflanze der Rubrik "Höhepunkt", 3 Pflanzen der Rubrik "Vielfalt" und 5 Bodendeckern planen. Dazu ermittelt man die Quadratmeteranzahl des Beetes und teilt jeden Quadratmeter in neun gleichgroße Teile oder arbeitet mit einem Pflanzabstand von 33 cm.

Abweichungen von der Faustregel: Die folgenden Pflanzen brauchen deutlich mehr Platz: Rainfarn ca. 3/9tel Quadratmeter, Königskerzen ca. 4/9tel, Bunte Kronwicken ca. 5/9tel, Baldrian, Mädesüß und Fenchel ca. 3/9tel, Wald-Engelwurz ca. 4/9tel, Wasserminze und Seifenkraut ca. 2/9tel, Wasserdost ca. 5/9tel. Abweichend von der Faustregel brauchen die folgenden Pflanzen nur etwa halb so viel Platz (2 Exemplare pro 1/9tel Quadratmeter): Mausohr-Habichtskraut, Frühlingsfingerkraut, Kuckuckslichtnelke, Schlüsselblume, gewöhnliches Sonnenröschen, Thymian, ästige Graslilie und Veilchen. Der Preisunterschied zwischen einem Quadratmeter Kronwicke/Königskerze und einem Quadratmeter Thymian/Karthäusernelke ist beachtlich. Doch ohne die Zierlichen wäre ein Beet für Mensch und Falter nur halb so schön.

Bei der Pflanzenzusamenstellung können Sie z.B. wie folgt vorgehen:

  1. Legen Sie eine Liste mit dem Namen der Pflanzen an, deren Fotos Ihnen gefallen haben, verwenden Sie dazu nur die Vorschläge, die zum Standort ihres Beetes passen, z.B. Wildblumen für leicht feuchte Lehmböden,
  2. Überprüfen Sie, dass auf Ihrer Liste mindestens eine Pflanze je für Frühling, Mai, Hochsommer und Spätsommer enthalten ist, z.B. anhand der Angaben bei Hof-Berggarten oder Gärtnerei Strickler,
  3. Kontrollieren Sie, dass Sie für wüchsige Stauden wüchsige Bodendecker zur Verfügung haben und für zarte Stauden zarte Bodendecker,
  4. Berechnen Sie die Pflanzenmenge für Ihr Beet entsprechend der Faustregel und der "Abweichungen von der Faustregel", z.B. 2x Arznei-Haarstrang, 6xWiesenknopf, 5xTeufelsabbiss und 10x Veilchen für 2 Quadratmeter leicht feuchten Lehmboden,
  5. Führen Sie eine Kontrollrechnung durch, ob alle Pflanzen addiert die Gesamtquadratmeterzahl des Beetes ergibt.

Pflanzung und Anordnung im Beet

Falls Sie noch keine Erfahrung haben, informieren Sie sich über Stauden anpflanzen im Internet oder lassen Sie es sich am besten zeigen. Auch für Fortgeschrittene empfiehlt es sich, jede Staude nach der Pflanzung mit einem Stecker zu versehen, um sie zuverlässig von Unkraut unterscheiden zu können.

Pflanzt man zwischen Mai und August, ist die Gefahr des Vertrocknens in Rheinhessen besonders groß. Im September gesetzte Pflanzen haben hingegen mit nur wenigen Malen Gießen sechs feuchte Monate vor sich, bevor sie der rheinhessischen Sommerhitze trotzen müssen. Doch nicht alle Wildstauden mögen einen Start in der kalten Jahreshälfte.

Nach der Lieferung der Pflanzen legt man sie in ihren Töpfen auf dem Beet aus. Zuerst kommen die Pflanzen der Rubrik "Höhepunkt" dorthin, wo man besondere Blickpunkte haben möchte. Die Pflanzen der Rubrik "Vielfalt" werden in kleinen Gruppen über das Beet verteilt. Die Bodendecker werden schließlich gleichmäßig über das gesamte Beet verteilt. Rund um die besonders großen Stauden werden normalgroße Bodendecker und Belgeitstauden gesetzt, erst danach folgen die "Zierlichen". Zierliche Stauden mit einer Wuchshöhe unter 20 cm fühlen sich am Beetrand besonders wohl. Erst nachdem Sie mit der Verteilung der Pflanzen zufrieden sind, greifen Sie zur Schaufel.

Zweijährige Wildpflanzen

...bringen Dynamik in das Beet. Vom Spätsommer bis zum Frühjahr des Folgejahres sind nur die Blattrosetten am Boden zu sehen - auch eine Königskerze kann dann 5 cm hoch sein. Während der wochen- oder monatelangen Blütezeit prägen diese Blumen das Gesicht des Beetes. Dann sterben sie ab. Die Samenstände müssen über Winter im Beet bleiben. Zweijährige sind auf Selbstaussaat angewiesen. Ein Rückschnitt nach der Blüte würde zu einem Totalverlust führen. Schon im Spätsommer sind die ersten Keimlinge zu sehen (Vorsicht: Verwechslungsgefahr mit Unkraut). Nur: die Kinder stehen garantiert an einer anderen Stelle im Beet als die Mutterpflanze. Dies ergibt oft schöne Bilder, erfordert aber manchmal auch gezieltes Jäten einer zweijährigen Jungpflanze oder das Versetzen einer kleineren Staude, die bedrängt wird. Zu den Zweijährigen gehören viele Königskerzen, der Natternkopf, die wilde Möhre, die Knoblauchsrauke, der Steinklee, die Wald-Engelwurz, die wilde Karde und fast alle Distelarten.

Zurückschneiden oder nicht?

Die Blumen des halbschattigen Wildblumenbeetes müssen nie zurückgeschnitten werden. Außerdem soll das Laub über Winter darauf liegen bleiben. Im sonnigen Beet herrscht mehr Flexibilität – je nach Fachmann muss auch hier nie geschnitten und abtransportiert werden – dann wird der Boden im Beet aber auch nicht abgemagert – oder es wird im Frühjahr, z.B. Anfang April, geschnitten und das Schnittgut entfernt (Abmagern). Die Samenstände sollen über Winter stehen bleiben, damit Vögel Nahrung finden, Insekten überwintern können und Selbstaussaat stattfindet. Bei Rauhreif sehen Samenstände übrigens sehr schön aus. Ein Rückschnitt im Sommer nach der Blüte ist nicht erforderlich.

Um die Artenvielfalt im Beet in etwa zu erhalten, sollten Gehölzsämlinge frühzeitig mit Wurzel entfernt werden, Rasengräser sollten am Einwandern gehindert werden und Sämlinge z.B. der Königskerze sollten selektiv herausgenommen werden, wenn sie sonnenliebende Winzlinge unter sich begraben. Unkrautjäten ist in den ersten Monaten besonders wichtig, so lange die Pflanzen noch klein und konkurrenzschwach sind. Später sollte man sich mit dem Ausstechen unbekannter Unkräuter zurückhalten, da es sich um Jungpflanzen von Wildblumen handeln kann.

So lange noch nackte Erde zu sehen ist, besteht die Gefahr, dass selbst die Wildpflanzen für sonnig-trockene Standorte vertrocknen. Genaues Beobachten und ggf. Gießen, so dass die Erde mindestens 10 Zentimeter tief leicht feucht gehalten wird – im Zweifel mit einem Stöckchen hineinstechen und nachprüfen - ist angesagt. Das kann je nach Pflanzdichte und Pflanzzeitpunkt Monate bis Jahre dauern. Gute Bodendecker kürzen den Prozess ab.

Aber dann...Eingewachsene Wildblumenbeete am richtigen Standort müssen fast nie mehr gegossen werden und nur noch selten gejätet. Sie sind ein wunderschöner Beitrag zum Naturschutz und ein Raum, um faszinierende Insekten aus der Nähe zu beobachten.